• Rezension: Zwischen uns ein ganzes Leben von Melanie Levensohn

    Ich lese sehr gern Romane die in der Kriegszeit spielen, da mich diese Schicksale oftmals sehr beeindrucken und tief berühren. Auf das Buch „Zwischen uns ein ganzes Leben“ von Melanie Levensohn bin ich zunächst durch seinen Titel aufmerksam und neugierig geworden. Ich wollte unbedingt erfahren, welche Geschichte sich hinter dem Titel verbirgt und wurde positiv überrascht und emotional mitgerissen.

    Drei Frauen – getrennt durch ein halbes Jahrhundert, verbunden durch ein Versprechen 

    Paris, 1940: Für die jüdische Studentin Judith wird es unter der deutschen Besatzung immer gefährlicher. Zusammen mit ihrer großen Liebe Christian, Sohn eines Bankiers, plant sie heimlich die Flucht. Doch plötzlich ist sie spurlos verschwunden.
    Mehr als fünfzig Jahre später in Washington: Auf Jacobina lastet ein Versprechen, das sie ihrem Vater gegeben, aber ihr Leben lang nicht eingelöst hat. Sie soll ihre unbekannte Halbschwester Judith finden. Jetzt bleibt ihr nicht mehr viel Zeit. Da trifft sie auf die junge Französin Béatrice. Die beiden Frauen freunden sich an. Gemeinsam machen sie sich auf eine Suche, die sie weiter führt, als sie je erwartet hätten … ( Quelle)

    Die Autorin Melanie Levensohn hat einen wundervollen Roman vorgelegt, der uns auf eine Reise nach Paris ins Jahr 1940 entführt. Hier begegnen wir der jungen Studentin Judith, die genau weiß, was sie im Leben erreichen möchte. Doch unter deutscher Besatzung nimmt ihr Leben eine gefährliche Wendung. Atemberaubend und äußerst packend, schildert die Autorin das Leben der damaligen Zeit. Die Ängste der Menschen waren für mich durchaus spürbar und es ist noch heut für mich unfassbar, wie grausam Menschen sein können. Ein kleiner Lichtblick in dieser schweren Zeit, zeigt sich in Christian, Judiths erste große Liebe. Er kümmert sich rührend um seine Freundin, umsorgt sie mit dem Notwendigsten und plant die gemeinsame Flucht. Als es soweit ist, ist Judith jedoch spurlos verschwunden.

    Im Wechsel zur Vergangenheit steht die Gegenwart, in der es uns nach Washington zieht. Jacobina, mittlerweile eine alte Frau, gab einst ihrem Vater das Versprechen, ihre Halbschwester Judith ausfindig zu machen, welches sie bislang noch nicht eingelöst hat. Die Zeit wird langsam knapp, denn mit jedem Tag altert Jacobina und wird gebrechlicher. Eines Tages begegnet ihr die junge Französin Béatrice. Die Frauen freunden sich an und machen sich auf die Suche nach der verschollenen Schwester. Werden sie diese nach fünfzig Jahren finden können?

    Der Einstieg in das Buch fiel mir dank des angenehmen und flüssigen Schreibstils der Autorin sehr leicht. Äußerst bildgewaltig und detailliert erzählt die Autorin die Geschichte von Judith, Jacobina und Béatrice. Die komplexe Handlung der vergangenen Zeit gestaltet sich sehr mitreißend spannend und ging mir emotional tief unter die Haut.

    Der Autorin gelingt es wunderbar, den Leser in die damalige Zeit eintauchen zu lassen und Bilder im Kopf hervorzurufen. Wie ich bereits erwähnte, wird die Handlung aus zwei Sichtweisen erzählt. Zum einen verfolgt der Leser die Ereignisse und Wendungen rund um Judith, in der Vorkriegszeit und zum anderen werden Erlebnisse aus der Perspektive von Béatrice und Jacobina geschildert.

    Mit dem Charakter Béatrice konnte ich zunächst nichts anfangen, da ich keine konkrete Verbindung zur Geschichte herstellen konnte. Doch im weiteren Verlauf der Geschichte, erscheint dieser Charakter immer klarer und der Sinn dahinter wird sehr gut aufgelöst. Jeder einzelne Charakter hat ein schweres Päckchen zu tragen. Auch wenn es sich um äußerst unterschiedliche Persönlichkeiten und Schicksale handelte, so konnte ich jeden Einzelnen in mein Herz schließen.

    Melanie Levensohn hat hierbei ein wundervolles Gleichgewicht zwischen emotionalen Momenten sowie Brutalität erschaffen, welches mir noch lange im Gedächtnis nachhallen wird. Die Charaktere sind äußerst authentisch und lebendig dargestellt, dass es mir sehr gut gelang, mich in diese hineinzuversetzen. Ich habe nicht nur mit Judith gebangt und gehofft, sondern auch mit Béatrice gelitten und geflucht. Zahlreiche Wendungen und Ereignisse, sowie die Erfahrungen der Charaktere, raubten mir so manches Mal den Atem. Dieser komplexe, historisch angehauchte Roman hat mich tief beeindruckt und wird noch lange Zeit in meinem Gedächtnis verweilen.

    Der Autorin Melanie Levensohn ist mit “Zwischen uns ein ganzes Leben“ ein wundervoller Roman gelungen. Dieser besticht durch eine fesselnde Handlung, einer hauchzarten Liebesbeziehung und überrascht mit atemraubenden Wendungen. Das Buch hat mich tief beeindruckt, mich sehr gut unterhalten und ist folglich absolut empfehlenswert. 


    Autor: Melanie Levensohn | Titel: Zwischen uns ein ganzes Leben | Verlag: Fischer | erschienen am: 22.08.2018 | Seiten: 416 | Broschiert:16,99 | eBook: 14,99€ | Werbung | Rezensionsexemplar*


    Ich danke und dem Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar, was meine Meinung jedoch keinster Weise beeinflusst!

    ©Foto: Nadine Lutter, Cover: Fischer / Designer

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