• {Rezension} Bus 57 von Dashka Slater

    Auf den Roman „Bus 57“ bin ich durch sein Cover aufmerksam geworden. Oftmals lief ich nur an dem Buch vorbei, doch auf der Leipziger Buchmesse nahm ich es in die Hand. Erst als ich begriff, dass es Flammen sind, die das Cover zieren und es sich um eine wahre Geschichte handelt, war meine Neugierde geweckt und ich bin noch immer fassungslos.

    Der Bus der Linie 57 ist das einzige, was Sasha und Richard miteinander verbindet. Richard ist Afroamerikaner, geht auf eine öffentliche Schule und hat gerade einen längeren Aufenthalt in einer betreuten Wohngruppe für jugendliche Straftäter hinter sich. Sasha ist weiß, besucht eine Privatschule und identifiziert sich selbst als agender. Nur acht Minuten täglich verbringen Sasha und Richard gemeinsam im Bus 57. Bis zu dem Tag als Sasha den langen weißen Rock trägt und Richard ihn anzündet. (Quelle)

    Der Einstieg in das Buch gestaltete sich für mich etwas holprig. Die Autorin Dashka Slater beginnt mit einer kleinen Einführung, welche Erklärungen und diverse Begrifflichkeiten bezüglich der Protagonisten beinhaltet. Obwohl ich die Verwendung der Pronomen und der Benennung Sashas in der dritten Person verstanden habe, brachte es mich während des Lesens immer wieder ins stolpern, sodass ich die betroffenen Passagen oftmals doppelt lesen musste um folgen zu können.

    Das Buch wird anschließend in vier Teile untergliedert. Hierbei werden dem Opfer, dem Täter, der Tat an sich, sowie den Konsequenzen beziehungsweise der Rechtsprechung durch die Justiz, eine Stimme verliehen. Die zusammengetragenen Kommentare, Beobachtungen durch Einsicht in Akten und vieles mehr, zeugt von einer unglaublichen und akribischen Recherchearbeit der Autorin. Genau dieser Aspekt macht das Buch zu etwas ganz Besonderem, denn die Aussagen der Beteiligten lassen den Leser nicht nur punktgenau am Geschehen teilhaben, nein, sie sind ohne jegliche Bewertung oder Verurteilung geschildert, sodass man die Tat von allen Seiten beleuchtet und dem Leser die Möglichkeit geboten wird, sich diesbezüglich seine eigene Meinung zu bilden.

    Obwohl schon einige Zeit ins Land gezogen ist, seitdem ich dieses Buch gelesen habe, bereue ich diesen Schritt bisher nicht. Oftmals erwische ich mich noch heut dabei, gedanklich zum Buch abzuschweifen, um eine Erklärung nach dem Warum zu finden. Diese Antwort wird wohl immer offen bleiben, dennoch berührt und beschäftigt es mich weiterhin.

    Doch kommen wir nochmal zur Aufteilung des Buches zurück. Im ersten Teil erfahren wir wesentliche Merkmale, die Sashas Leben ausmachen. Sasha bezeichnet sich weder als männlich noch als weiblich. Bereits von Anfang an war mir bewusst das Sasha etwas ganz Besonderes ist. Er wächst in behüteten Verhältnissen auf und besucht eine Privatschule. Durch diesen ersten Teil, konnte ich mir ein umfangreiches Bild über sein Leben inklusive Freundschaften, die Unterstützung seiner Familie aber auch über seine Gesinnung machen. Die Schilderung der Sichtweisen, bezüglich der Brandkatastrophe und der Umgang mit den schwerwiegenden Erfahrungen, ging mir tief unter die Haut und verweilt noch immer in meinen Gedanken.

    Im zweiten Teil wird das Leben von Richard, dem Täter, näher beleuchtet. Hierbei wird ziemlich schnell deutlich, dass der Teenager aus ärmlichen Verhältnissen stammt und durch falsche Freunde auf die schiefe Bahn gerät. Was als Gag und dem Gefühl der Zugehörigkeit diente, artet in eine verstörende Katastrophe aus.

    Dieser Abschnitt ließ sich sehr gut lesen und nachvollziehen. Ich war über die Gedankengänge und Einblicke sehr Dankbar und konnte mir auch hier ein Bild des Protagonisten verschaffen, ohne ihn vorschnell zu verurteilen.

    Die weiteren Teile der Geschichte befassen sich mit dem tatsächlichen Hergang der Tat und deren Konsequenzen, bis hin zum Urteil durch die Justiz. Ich bin der Autorin sehr Dankbar für die scheinbar lückenlose Darstellung der Ereignisse und die wertfreie Niederschrift des Falls. Die eingebundenen und verschiedenen Beobachtungen durch Außenstehende und Freunde, bescherten mir so einige emotionale und berührende Momente. Das Buch ist in seiner Art sehr speziell und dennoch lesens, – und empfehlenswert.

    Mit dem Roman “Bus 57”, hat die Autorin Dashka Slater eine wahre Geschichte aufs Papier gebracht, die mich durch ihre Umsetzung vollends überzeugen konnte. Mir gefiel die Unterteilung des Buches und die damit gewährleisteten Blickwinkel. Ereignisse und Wendungen werden punktgenau geschildert, sodass ich das Gefühl erlangte, als stiller Beobachter teilzuhaben. Nur der Einstieg beziehungsweise die Wahl der Pronomen durch Sasha, schmälerten meinen Lesegenuss geringfügig. Ich kann euch dieses Buch nur ans Herz legen.


    Werbung | Dashka Slater | Bus 57 | Verlag: Loewe Verlag | übersetzt von: Ann Lecker | erschienen am: 11.03.2019 | Seiten: 400 | TB: 18,95€ | eBook: 14,99€ | Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre | ISBN: 978-3-7432-0363-1 | Rezensionsexemplar*


    Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars, was meine Meinung jedoch nicht beeinflusst!

    ©Foto: Nadine Lutter, Cover: Autorin / Designer / Loewe Verlag

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    angeltearz liest | Letterheart

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    3 Kommentare

    1. 20. Juli 2019 / 19:42

      Hey Nadine,
      ich freue mich sehr, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat.
      Das mit dem Pronomen von Sasha hat mich auch immer wieder stocken lassen. Aber ich finde es gut und konsequet, dass es so durchgezogen wurde.
      In wie weit dieses Pronomen in der Realität übernommen wird, fehlt mir leider die Erfahrung…

      Hab einen tollen Abend. 🙂

      Ganz lieben Gruß

      Steffi

      • 21. Juli 2019 / 10:23

        Hallo Steffi,
        nachdem ich deine Rezension gelesen hatte wußte ich schon das es mir gefallen wird, denn
        wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack.
        Hab einen schönen Sonntag!.
        Liebste Grüße
        Nadine

    2. 1. August 2019 / 20:53

      Liebste Nadine,

      es freut mich sehr, dass dich das Buch auch so begeistern konnte! Die Geschichte hat mich wahnsinnig bewegt und ich bewundere die Arbeit der Autorin. Mit den geschlechtsneutralen Pronomen hatte ich weniger Probleme, habe aber auch schon andere Werke gelesen, in denen diese verwendet werden.

      Liebste Grüße
      Jill

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