• Rezension: Alles, was ich sehe von Marci Lyn Curtis

    Nachdem ich bereits zwei andere Bücher des Königskinder Verlages gelesen habe, bin ich diesen beeindruckenden und gefühlvollen Geschichten verfallen. Bei dem wunderschönen Cover von „Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Cutis, konnte ich nicht widerstehen und bin einmal mehr überwältigt.

    Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
    Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann. (Quelle)

    Der Einstieg fiel mir aufgrund des angenehmen und flüssigen Schreibstils sehr leicht. Ich war sofort in der Geschichte gefangen, denn gleich zu Beginn lernen wir Maggie kennen. Sie ist durch eine Erkrankung seid sechs Monaten erblindet und muss sich mit ihrem Handycap abfinden, was ihr nicht so recht gelingen mag.
    Doch wem fällt es schon leicht, von heut auf morgen, den Boden unter den Füßen zu verlieren?
    Die vorgesehene Fußballkarriere bleibt nun ein unerfüllter Traum und die emotionale Bindung zu ihrer Mutter ist ebenfalls unterkühlt. Eines Tages trifft sie auf Ben. Hoffnung und Zuversicht breiten sich in Maggie aus, da sie ihn deutlich sehen kann. Zwischen den beiden entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft, denn Ben ist sieben Jahre jünger als Maggie. Und außerdem ist da noch Mason, Bens älterer Bruder, der zufälligerweise der Sänger von Maggies Lieblingsband ist.

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    Die zunächst sarkastische, humorvolle und eher witzige Atmosphäre, mit dem Versuch, die Blindheit zu akzeptieren, wird immer häufiger von der Frage überschattet, warum Maggie Ben eigentlich sehen kann.
    Die Charaktere sind authentisch und realistisch gezeichnet. Maggie ist mir durch ihre größtenteils mürrische und sarkastische Art, besonders ans Herz gewachsen. Ich habe mich sehr gut mit ihr identifizieren können, denn sie zeigt auch ihre melancholische, beinahe verzweifelte Seite, bei der man sie am liebsten, tröstend in den Arm nehmen möchte. Dies ist in ihrer Situation wenig verwunderlich. Oftmals habe ich mich dabei ertappt, mir Maggies Blindheit am eigenen Körper vorzustellen und bin schon bei dem Gedanken daran verzweifelt.
    Ben ist ein lebensfroher kleiner Kerl, der ebenfalls körperlich beeinträchtigt ist. Durch seine witzigen Kommentare entfachte er bei Maggie neuen Mut, gepaart mit Hoffnung. Schon allein der Aspekt, dass er sie nach einer Computerfigur benennt („Thera“), der sie äußerlich sehr ähnelt, brachte mich so manches Mal zum Schmunzeln.
    Bens Bruder Mason konnte ich zunächst nicht recht zuordnen. Er wirkt oftmals distanziert und gefühlskalt. Im weiteren Verlauf werden seine Beweggründe aber deutlich, was ihn letztendlich wesentlich sympathischer erscheinen lässt.
    Auch Maggies Eltern spielen eine wesentliche Rolle. Hierbei erfährt der Leser, durch Schilderungen des früheren Verhältnisses, einiges über die Entwicklung innerhalb der Familie, nach Maggies Erblindung. In manchen Situationen hätte ich die Eltern am liebsten wach gerüttelt, um ihnen die Augen zu öffnen.

    „Ich war so konzentriert bei der Sache, dass ich tatsächlich zusammenzuckte, als sich irgend so ein Dreckskerl an mich ranschob und dicht an meinem Ohr sagte: >>Bissu blind?<< ( S.111)

    Die Thematik der Handlung ist sehr tiefgründig, berührend und durchaus aktuell. Krankheitsbedingte Schicksalsschläge, können jeden von uns treffen. Aber gelingt es uns, diese zu akzeptieren? Und wie gehen wir damit um? Die Autorin regt hierbei zum Nachdenken und mitfühlen an. Aber auch Themen wie Musik, Fußball, Freundschaft und Vertrauen, spielen eine wesentliche Rolle und sind nicht nur für Jugendliche geeignet. Dieses Debüt hat mich sehr überrascht und konnte mich durch authentische Charaktere, einer Kombination aus Humor und erschütternder Ernsthaftigkeit, komplett in den Bann ziehen und überzeugen.

    Die Autorin Marcie Lyn Curtis hat mit „Alles, was ich sehe“, ein wundervolles tiefgründiges Buch erschaffen, welches durch seinen Humor sowie traurigen Schicksalsschlägen, das Herz des Lesers berührt. Ich kann euch dieses Buch nur wärmstens empfehlen. 


    Marcie Lyn Curtis | Alles, was ich sehe | Königskinder Verlag | erschienen am: 18.03.2016 | 432 Seiten | Gebundene Ausgabe: 18,99€ | eBook: 10,99€ |


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    ©Foto: Nadine Lutter, Cover: Königskinder Verlag / Designer

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